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Dienstag, 28. November 2017

EU fördert Gefäßforschung am Max-Planck-Institut

Dr. Michael Potente

Michael Potente erhält zwei Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat

 

Der Kardiologe Michael Potente, Leiter der Arbeitsgruppe „Angiogenese und Metabolismus“ am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, erhält einen der prestigeträchtigen  sogenannten „Consolidator Grants“ des Europäischen Forschungsrates (ERC). Der ERC stellt dem Wissenschaftler in den kommenden fünf Jahren zwei Millionen Euro für seine Forschung an Blutgefäßen zur Verfügung. Potente ist zum zweiten Mal mit einem Projektantrag beim ERC erfolgreich: Im Jahr 2012 wurde er bereits mit einem „Starting Grant“ ausgezeichnet. 

 

Die Ausschreibungen des ERC sind im hohen Maße kompetitiv: Nur rund jeder Zehnte der eingereichten Anträge wurde positiv beschieden. Wie der ERC mitteilt, zielt das Consolidator Grant-Programm auf „exzellente Wissenschaftler, deren eigene unabhängige Arbeitsgruppe sich in der Konsolidierungsphase befindet.“ 

 

Potente befasst sich vor allem mit der Zellschicht, die Blutgefäße von innen auskleidet. In den vergangenen Jahren konnte er zeigen, dass diese als Endothel bezeichneten Zellen einen besonderen Stoffwechsel besitzen, der für Wachstum und Funktion von Blutgefäßen unerlässlich ist. Allerdings unterscheidet sich das Endothel von Organ zu Organ: „Im Gehirn beispielsweise sind  Endothelzellen besonders eng miteinander verbunden und bilden die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, durch die nur bestimmte Moleküle passieren können. Im Gegensatz dazu ist das Endothel in der Leber sehr durchlässig und stellt auf diese Weise die Entgiftungsfunktion der Leber sicher“, so Potente.

 

Dabei ist bislang ungeklärt, wie die je nach Organ unterschiedliche Arbeitsweise des Gefäßendothels festgelegt wird. Mit den nun zur Verfügung stehenden ERC-Mitteln will Potente sich dieser Fragestellung annehmen und den Einfluss des Organmilieus auf die Spezialisierung von Endothelzellen untersuchen. Sein Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Stoffwechsel , Epigenetik (nicht vererbte Veränderung von Genen) und der Spezialisierung von Zellen zu untersuchen. „Wir vermuten, dass es organspezifische Unterschiede bei Stoffwechselzustand der Gefäßwandzellen gibt. Durch eine veränderte Epigenetik fördern diese Unterschiede die Spezialisierung und tragen damit zur Ausbildung lokaler Unterschiede im Gefäßsystem bei", erläutert Potente. Mit einer Kombination aus modernsten molekularbiologischen und biochemischen Verfahren sowie hochauflösender Bildgebung möchten Potente und sein Team die Rolle dieser epigenetischen Mechanismen für organspezifische Blutgefäßfunktionen analysieren.

 

Ein besonderer Schwerpunkt in Potentes Forschungsprojekt werden dabei mögliche Veränderungen in der Funktion des Gefäßendothels im Zusammenhang mit Fettleibigkeit oder zunehmendem Alter darstellen. „Wir möchten erforschen, welche Stoffwechselprodukte die epigenetischen Programme derart verändern, dass das Endothel nicht mehr richtig funktioniert und im schlimmsten Fall das Organ versagt“, so Potente. Ihre Forschung könnte damit zu einem besseren Verständnis von Gefäßerkrankungen beitragen, die durch Veränderungen im Stoffwechsel hervorgerufen werden.

 

MH/MP

 

Hintergünde:

ERC Consolidator Grant

ERC Consolidator Grants werden an herausragende Wissenschaftler vergeben, die im Anschluss an ihre Promotion rund 10 Jahre Erfahrung in der Wissenschaft gesammelt haben und darüber hinaus während dieser Zeit auf ihrem Forschungsgebiet überdurchschnittlich erfolgreich waren. Dabei müssen die Wissenschaftler an einer Einrichtung innerhalb der EU tätig sein. Die Förderung beträgt  bis zu 2 Millionen Euro über fünf Jahre. 

 

Der Europäische Forschungsrat (ERC)

Der ERC wurde im Jahr 2007 von der EU ins Leben gerufen. Aufgabe ist die Förderung innovativer Spitzenforschung. Die Vergabe der verschiedenen Förderprogramme erfolgt jährlich. Der ERC hat drei zentrale Förderlinien: Starting Grants, Consolidator Grants und Advanced Grants. Ein zusätzliches Finanzierungssystem, Synergy Grants, wurde 2017 neu aufgelegt.

Bis heute hat der ERC mehr als 7.500 Spitzenforscher in verschiedenen Phasen ihrer Karriere und mehr als 50.000 Postdocs, Doktoranden und andere Mitarbeiter in ihren Forschungsteams finanziert. Der ERC verfügt über ein Jahresbudget von 1,8 Mrd. EUR für das Jahr 2017. Dieses entspricht ungefähr einem Prozent aller Ausgaben für Forschung in Europa. Mit einem Budget von über 13 Milliarden Euro für die Jahre 2014 bis 2020 ist der ERC Teil des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizont 2020, für das EU-Kommissar Carlos Moedas zuständig ist. Der ERC wird von einem unabhängigen Leitungsgremium, dem Wissenschaftlichen Rat, geführt, deren Präsident seit 2014 Jean-Pierre Bourguignon, ist.


Pressekontakt

 

Dr. Matthias Heil

Pressesprecher

Ludwigstraße 43

61231 Bad Nauheim

Tel. +49 (0)6032 705-1705

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